Von Leonberg in den Bundestag – Bildungsreise mit der Mobilen Jugendarbeit des Waldhauses

Die Mobile Jugendarbeit Leonberg nahm mit sechs jungen Erwachsenen vom 29. Juli bis zum 1. August an einer politischen Bildungsfahrt nach Berlin teil. Neben dem Besuch politischer Institutionen konnte in der Zeit die Hauptstadt näher kennengelernt und ein wertvoller Austausch mit anderen Teilnehmenden stattfinden. Ermöglicht wurde dies in erster Linie durch die Einladung von Jasmina Hostert, der SPD-Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Böblingen.

Zur Entstehungsgeschichte / „Peers in Action“

„Können wir mit euch nach Berlin fahren?“ Mit dieser Frage wandte sich die damals noch jugendliche Clique 2024 an die Fachkräfte der Mobilen Jugendarbeit – diese kannten sie bereits von kleineren Aktionen oder Regelangeboten wie der Bus-Zeit, einem offenen Kontaktangebot auf dem Mitarbeiterparkplatz des LEO-Centers. Was folgte, waren knapp zwei Jahre gemeinsame Planung im Rahmen des Projektes „Peers in Action“: Dessen Ziel ist es, junge Freundesgruppen bei der Umsetzung einer Idee für eine Aktion zu unterstützen und zu begleiten, die sie ansonsten aufgrund mangelnder Ressourcen oder Möglichkeiten nicht durchführen könnten. So sollen insbesondere benachteiligte junge Menschen aus prekären Lebensverhältnissen als Gruppe einen Zugang zu höherschwelligen Freizeitangeboten erhalten, der ihnen ansonsten verwehrt bleiben würde. Die Teilnehmenden werden dabei in sämtliche Schritte des Prozesses (Vorbereitung, Durchführung, Nachbereitung) aktiv miteingebunden, im Falle der Bildungsfahrt nach Berlin formulierten sie beispielsweise einen Brief an das SPD-Wahlkreisbüro, in dem sie um eine Einladung zur politischen Bildungsfahrt baten oder machten sich Gedanken hinsichtlich der Gestaltung des Abendprogramms.

Besuch des Bundestags, eines Bundesministeriums und der Bundeszentrale für politische Bildung

Ein großer Teil der Bildungsreise und dessen Programms war politisch geprägt: So wurde einerseits das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) besucht, bei dem eine Mitarbeiterin unter anderem über die aktuellen Themen, die in die Zuständigkeit von Ministerin Karin Prien und ihrer Behörde fallen, berichtete. Ein weiteres Highlight war die Einladung in den Bundestag, bei der ein Guide zunächst über das Reichstagsgebäude und die dort stattfindenden Sitzungen informierte, bevor es dann zu einem Treffen mit Jasmina Hostert kam, bei dem sie einen Einblick sowohl in die eigene Arbeit als auch zu aktuellen politischen Debatten und Bestrebungen gab. Bei beiden Terminen gab es im Anschluss die Möglichkeit, Fragen zu stellen, was die jungen Erwachsenen umfangreich nutzten, um ihre Themen zu platzieren: So wurde beispielsweise gefragt, wie die Chancengleichheit bei Bewerbungsverfahren für alle Menschen unabhängig von Kultur, Geschlecht oder Religion sichergestellt werden kann oder wie die Politik junge Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf gut unterstützen kann.

Eine weitere erwähnenswerte Station der Bildungsfahrt war die Bundeszentrale für politische Bildung, bei dem mit „Fake News“ über ein Thema referiert wurde, das vor allem in Hinblick auf den vermehrten Einsatz von künstlicher Intelligenz in den letzten Jahren auch für die Teilnehmenden Überschneidungen zum Lebensalltag bot.

Berlin entdecken

Ein weiterer Kerninhalt der Bildungsfahrt bestand im Kennenlernen der Hauptstadt und ihrer Geschichte: Hierzu fand eine mehrstündige Stadtrundfahrt auf dem Programm, bei der zentrale Sehenswürdigkeiten der Stadt angefahren und von einem Guide mit historischen Fakten und humorvollen Anekdoten untermauert wurden. Apropos Mauer: Ebenfalls Teil des Programms war die Besichtigung der Gedenkstätte Berliner Mauer; ein Ort, an dem die Teilnehmenden praxisnah mit der Geschichte Berlins konfrontiert wurden. Im Laufe der Tage bot sich zudem die Gelegenheit, sich Berliner Wahrzeichen wie etwa die East Side Gallery oder das Brandenburger Tor aus der Nähe anzuschauen.

Außerdem nutzte die Gruppe die Zeit nach dem offiziellen Programm, um gemeinsam die Stadt zu erkunden: So wurden weitere kulinarische und kulturelle Eindrücke durch den Besuch eines auf Social Media bekannten Hühnchen-Ladens sowie eines Sommerfestivals gesammelt.

Austausch mit anderen Teilnehmenden                         

Neben dem formellen Teil des Programms konnte die Freundesgruppe im Laufe der Bildungsfahrt immer wieder mit weiteren Teilnehmenden ins Gespräch kommen. Dadurch kam meist ein generationsübergreifender Austausch zustande, bei dem die jungen Erwachsenen den älteren Personen einen Einblick in deren Lebensrealität boten und umgekehrt. Aus den Gesprächen entsprang meist eine gegenseitige Wertschätzung und es konnte ein positives Bild von jungen Menschen gezeichnet werden.

Positive Effekte und weiterer Projektverlauf

Das erste Feedback der Freundesgruppe nach der Aktion fiel sehr positiv aus: „Die Teilnehmenden zeigten sich sehr dankbar über die Möglichkeit; ein junger Mann erzählte uns, dass er ohne die Bildungsfahrt in den Sommerferien gar nicht weggefahren wäre“, berichtet Tamara Steinberg, Sozialarbeiterin bei der Mobilen Jugendarbeit Leonberg. Zudem ließen sich weitere positive Effekte beobachten, so mache sich beispielsweise seit der Fahrt eine verstärkte Beziehung der Teilnehmenden zu den Fachkräften bemerkbar. „Eine detaillierte Auswertung mit der Clique ist geplant und soll im Rahmen eines Nachtreffens erfolgen“, erklärt Thomas Gähr, ebenfalls Sozialarbeiter bei der Mobilen Jugendarbeit. Für die Zukunft möchten die beiden Fachkräfte das „Peers in Action“-Projektformat weiterführen, damit andere Freundesgruppen ebenfalls die Möglichkeit haben, positiv zu profitieren und durch die Aktionen zu wachsen.

Die Mobile Jugendarbeit Leonberg ist Teil des Teams der Waldhaus-Jugendsozialarbeit Leonberg und unterstützt seit 1998 benachteiligte junge Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahren, die sich verstärkt im (halb)öffentlichen Raum der Kernstadt aufhalten, bei ihrer Verselbstständigung und einer gelingenden Bewältigung ihres Lebensalltags.