Jahresrückblick Jugendberufshilfe

UNSER STANDORT LEONBERG

NOLOST

Von September 2021 bis Dezember 2022 stellte noLost eine wichtige Anlaufstelle für Schüler:innen und junge Erwachsene dar, die Schwierigkeiten beim Schulbesuch hatten oder Unterstützung beim Übergang in die Arbeitswelt benötigten. Wir bedanken uns für das entgegengebrachte Vertrauen, die gute Kooperation und die schönen Momente mit den Teilnehmenden.

Stattgefundene Projekte:

  • Dez. 2021 bis März 2022: Bewerbungsprojekt am beruflichen Schulzentrum Leonberg (BK1-Klassen)
  • April 2022 bis Mai 2022: Berufsorientierungsprojekt an der Gottlieb Daimler Schule 1 Sindelfingen (VABR, VABO, BEJ-Klassen)
  • Juni 2022 bis Juli 2022: Projekt zum Thema Ausbildungsberufe an der Gemeinschaftsschule Jettingen (8. Klasse, G-Niveau-Schüler*innen)

Insgesamt haben wir 93 junge Menschen individuell begleitet. Davon 17 im Bereich Schulabsentismus und 76 erhielten Unterstützung beim Übergang Schule-Beruf.

Einige Feedback-Stimmen zum Projekt „NoLost“:

„Geh da mal hin, das hilft!“ 

TRIAS

Das Projekt TRIAS „Schulverweigerung-die 2. Chance“ ist ein spezielles Programm zur Unterstützung und Reintegration von Schulverweigerern im Landkreis Böblingen.

Das Hauptziel ist die Rückkehr bzw. Rückholung von Schüler:innen in den Unterricht, welche zuvor aktiv oder passiv die Schule verweigert haben.

 

 
 
Ein Wiedersehen nach vielen Jahren

 Zur Begrüßung gab es erstmal eine herzliche Umarmung und ein paar Tränen. Mehrer Jahre nach der Beendigung ihres TRIAS-Einsatzes bei einer Familie aus Herrenberg war Waldhaus-Mitarbeiterin Katrin Dreher dort wieder zu Besuch. In einem ausführlichen Gespräch schaute sie gemeinsam mit den Eltern Thomas und Heike zurück auf ihre Zeit im Projekt und beide gaben auch einen Einblick in die aktuelle Situation ihres heute 23-jährigen Sohnes Klaus sowie seine Zukunftsaussichten.

Waldhaus Fast drei Jahre war Ihr Sohn als Schulverweigerer von 2015 an im Projekt TRIAS und Sie waren somit regelmäßig in intensivem Kontakt mit Katrin Dreher. Können Sie sich noch an die ersten Kontakte und die Anfangszeit vor knapp acht Jahren erinnern?

Heike: Über das Internet wurde ich damals auf das Waldhaus und eben das Projekt TRIAS aufmerksam. Dem waren monatelange emotionale Kämpfe mit unserem Sohn vorrausgegangen. Für uns war zu dieser Zeit eine Grenze erreicht, die uns als gesamte Familie zu sehr belastete.

Thomas: Es war eine Zerreißprobe für alle. Bis heute weiß ich nicht, wie wir das alles bewältigen konnten. Auch wir als Eltern und unsere Ehe waren am Rand des Abgrunds, wir waren völlig hilflos, bis Katrin auf der Bildfläche erschien. Sie wurde zu einer Vertrauensperson, weil sie einfach immer da war. Unsere größte Sorge als Familie war, dass sich Klaus komplett von uns abwenden würde. Dies war schlussendlich nicht der Fall. Neben dem Projekt TRIAS wurde später auch noch die Familienhilfe des Waldhauses mit ins Boot genommen. Ich weiß nicht, was ohne diese Hilfen gewesen wäre, wir hätten das alleine nicht gepackt.

Katrin Dreher: In gemeinsamen Gesprächen mit Klaus haben wir Schritt für Schritt nach den Ursachen seiner Schulverweigerung gesucht und diese bearbeitet. Dies war teilweise für ihn auch sehr emotional, aber wichtig um seine Problemlagen, Grenzen und eigene Stärken erkennen zu können. Auch die Eltern müssen in Situationen wie diesen einiges aushalten. Das sind harte Wochen, die einem entgegenkommen, wenn ein Kind Grenzen erfährt, die es vorher nicht kannte.

Waldhaus: Nachdem Klaus diese Grenzen erfahren hatte, trug die Arbeit von Katrin Dreher langsam Früchte. Was ist mit der Zeit und auch nach der Beendigung von Trias passiert?

Thomas: Unser Sohn hat dann über die Waldhaus Maßnahme „ProWerk“ seinen Hauptschulabschluss gemacht, wir Eltern wurden durch die Familienhilfe begleitet. Durch ein Familiengericht wurde damals zudem eine Therapie für Klaus veranlasst. Ihm wurde durch die gesamte Arbeit gezeigt, dass er auch Stärken hat und nicht nur seinen Schwächen nachgeben muss. Im Nachhinein ist Klaus uns und Katrin sehr dankbar, ihn nie im Stich gelassen zu haben. Nach seinem Schulabschluss hat er dann eine Ausbildung begonnen, die er im Januar 2023 erfolgreich abgeschlossen hat. Das waren ebenfalls keine einfachen Ausbildungsjahre, aber er hat es durchgezogen, was sicherlich auch auf die Erfahrungswerte aus TRIAS zurückzuführen ist.

Heike: Heute stehen ihm alle Wege offen. Wenn wir zurückdenken, ist diese Tatsache wirklich unglaublich. Manche Vorkommnisse aus dieser Zeit muss man auch vergessen, suizidale Gedanken,

Drohungen oder Gewaltausbrüche waren an der Tagesordnung. Mittlerweile ist Klaus sehr selbstständig geworden und organisiert viele Teile seines Lebens allein. All die viele Baustellen von früher und sein gesamtes Sozialverhalten haben sich komplett gewandelt, er kann nun für sich selbst verantwortlich sein. Ich weiß nicht was ohne TRIAS und das Waldhaus gewesen wäre, wir hätten das allein nicht gepackt.

Katrin Dreher: Auch nach seinem Ausscheiden aus TRIAS war ich regelmäßig mit Klaus in Kontakt. Mit der Zeit wurde dies zwar auch weniger, aber ich habe seinen Weg stets verfolgt. Und teilweise hat er mich von sich aus kontaktiert, um mich zu informieren. Gerade wenn man an die schwierigsten Phasen zurückdenkt, ist das eine wahre Erfolgsgeschichte.

Waldhaus: Für viele in einer ähnlichen Lage ist dieser Schritt, Hilfe zu suchen und diese auch in die Familie einzulassen extrem schwer. Welchen Rat würden Sie diesen Menschen nach Ihren eigenen Erfahrungen geben?

Thomas: Mir hat die Zeit vor TRIAS gefühlt auch Jahre meines Lebens genommen. Es ist sehr hart und ein steiniger Weg, aber für die Familie und das eigene Kind lohnt es sich so eine Unterstützung anzunehmen. Wir wüssten nicht, wo er und wir sonst gelandet wären. Heute können wir uns gemeinsam über Dinge freuen, er ist uns wieder treu und fühlt sich bei uns wohl und lässt uns teilhaben, das genaue Gegenteil war früher der Fall. Durch die Arbeit mit dem Projekt TRIAS und Katrin Dreher hat Klaus seinen Platz in dieser Welt gefunden. Und mit seiner jetzt abgeschlossenen Berufsausbildung auch eine neue Aufgabe.

 

Er ist uns und Katrin bis heute dankbar, ihn nie im Stich gelassen zu haben.

BEGLEITETE GEMEINNÜTZIGE ARBEIT (BGA)