Jahresrückblick stationäre Hilfen
Stationäre Hilfen: Aus den Wohngruppen
Du bist Waldhaus!
– wenn du eine kreative Macherin oder ein kreativer Macher bist, die mit Herz und Leidenschaft Jugendliche
und Familien stark machen.
Reif fürs Waldhaus: qualifiziert, engagiert und nervenstark.
Auch als Ausbildungs- und Studienort!
Umfrage mit den Antworten einiger unserer ehemaligen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge (UMA) zum „Sommer der Solidarität“ (2015)
Wir haben hier die aktuellen mündlichen Statements von einigen „unserer Jungs“ zusammengetragen, die damals in den Jahren ab 2015 als unbegleitete, minderjährige Geflüchtete (UMA) nach Deutschland kamen und in der Folgezeit vom Waldhaus beim Ankommen in unserem Land unterstützt wurden:
„Wenn du einmal an die Jahre ab 2015 zurückdenkst: Welche Erfahrungen hast du mit Solidarität und Toleranz gemacht – und was ist dir davon besonders in Erinnerung geblieben?“
„In der Schule hätte ich mir zu Beginn etwas mehr ehrliche Unterstützung gewünscht und weniger demotivierende Aussagen, dass man seine Ziele sowieso nicht erreichen kann. Außerhalb der Schule habe ich dagegen sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Menschen, die mich begleitet haben, besonders unsere Betreuer, haben uns immer unterstützt. Egal, ob beim Deutsch lernen, beim Verstehen der Kultur oder einfach dabei, sich willkommen und in Deutschland dazugehörig zu fühlen.“
„2015 war ein schwieriges Jahr für mich, das ich immer noch klar in Erinnerung habe. Das Gute daran war, dass ich einen Weg gefunden habe, um mit den Menschen eine unterschiedliche Kultur zu leben und mir ein Leben aufzubauen.“
„Ich habe Hilfe und Solidarität erlebt. Ich habe Ablehnung erlebt. Beides hat mich geprägt.“
„Also die Menschen, die ich in Deutschland kennengelernt habe, waren zu mir nett, hilfsbereit und tolerant. Und ich bin sehr dankbar dafür.“
„Für mich ist das Wichtigste, woran ich mich seit 2015 in der Wohngruppe erinnere, die Einfachheit des Lebens und die Solidarität mit einigen Menschen. Unsere Probleme waren eher klein, wie etwa der Putzplan, denn wenn man nicht geputzt hat, wurden fünf Euro vom Wochengeld abgezogen. Manchmal habe ich für jemanden geputzt, der nicht zu Hause war, ohne sein Geld zu nehmen, in der Hoffnung, dass mir geholfen wird, wenn ich einmal selbst nicht da bin. Aber nicht alle haben das Gleiche zurückgegeben. Trotzdem haben mir diese Erfahrungen gezeigt, was Zusammenhalt und Toleranz bedeuten.“
„Von Ende 2015 bis August 2020 habe ich Unterstützung vom Jugendamt bekommen, neun Monate lang Deutsch gelernt und die Hauptschule gemacht, dann eine Ausbildung als KFZ-Lackierer. In den Jahren haben mir die Betreuer und das Jugendamt sehr geholfen.“
„Ich bin stolz darauf, dass ich mir selbst immer treu geblieben bin und dass ich offen dafür war, Neues zu erlernen. Auch wenn vieles nicht leicht war, habe ich nie aufgegeben und mich ständig weiterentwickelt, in der Schule, im Beruf und auch privat. Besonders stolz bin ich darauf, dass die meisten aus unserer damaligen Wohngruppe ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben und heute ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten.“
„Ich bin stolz auf mich, dass ich mein Leben auf die eigenen Beine gestellt habe mit schönen Menschen, die aus unterschiedlichen Ländern und unterschiedlichen Kulturen kommen. Ich habe viele Erfahrungen gemacht und viel gelernt. Ich habe mir etwas aufgebaut und einen Beruf gelernt. Und ich bin stolz auf die Menschen, die mir auf meinem Weg geholfen haben.“
„Ich bin stolz auf mich. – Ich bin stärker geworden.“
„Seit 2015 ist viel Zeit vergangen. Worauf bist du heute stolz und welche Unterstützung oder welche eigenen Stärken haben dir dabei geholfen?“
„Ich bin stolz und dankbar für alles, was ich heute erreicht habe. Besonders die Unterstützung und Betreuung, die ich in dieser Zeit bekommen habe, haben mir sehr geholfen.“
„Ohne die Hilfe der Verantwortlichen hätte ich die schwierigen Phasen, die ich durchgemacht habe, wahrscheinlich nicht so gut bewältigen können. – Insgesamt haben sie uns beigebracht, wie man mit dem Leben hier in Deutschland umgeht. Dafür möchte ich mich bei allen Verantwortlichen bedanken.“
„Ich bin darauf stolz, dass ich in Deutschland die Sprache gelernt habe und die Schule besucht und mich integriert habe. Was mir dabei geholfen hat, sind meine damaligen Betreuer:innen und Lehrer:innen.“
„Ich bin stolz darauf, dass ich mich sehr schnell integriert habe. Ich bin ein Fachmann geworden, wenn es um das Lackieren von Autos geht. Ich bin auch stolz auf die Betreuer und Betreuerinnen, die mir dabei geholfen haben.“
„Aus deinen bisherigen Erfahrungen heraus:
Was wünschst du dir heute von der Gesellschaft?“
„Ich wünsche mir mehr Verständnis für schwierige Situationen und weniger Vorurteile gegenüber Menschen, deren Geschichte man nicht kennt. Mehr Offenheit und Austausch würden helfen, andere Sichtweisen besser zu verstehen. Außerdem sollte mehr wertgeschätzt werden, was jeder Einzelne zur Gesellschaft beiträgt.“
„Von dieser Gesellschaft wünsche ich mir, dass sich die Menschen gegenseitig respektieren. Wenn einer einen Fehler macht, sollen nicht alle Menschen in einen Topf geworfen werden. Jeder verdient eine Chance. Und ich wünsche mir, dass dieses Jahr meine Frau zu mir kommen kann. Sie ist in Marokko und ich in Deutschland. Das ist auf Dauer kein Leben und traurig für mich. – Ich habe Heimweh und sie auch.“
„Mehr Respekt. Mehr Verständnis. Mehr Zusammenhalt. Mehr Menschlichkeit in der Gesellschaft.“
„Ich wünsche mir, dass die Gesellschaft Jugendlichen und Kindern in schwierigen Situationen Unterstützung und Verständnis bietet und ihnen zeigt, wie man das Leben selbstbewusst und sicher meistert. Auch schon eine kleine Hilfe kann einen großen Unterschied machen, so wie ich es während meiner Zeit in der Betreuung erlebt habe.“
„Jeder hat verdient, frei und offen zu leben ohne Krieg, Furcht und Angst.“
„Von 100 Leuten, die im Jahr 2015 nach Deutschland geflüchtet sind, sind fünf Personen nicht brav oder bauen Scheiße. Alle reden von den fünf Personen und sagen, die sind alle gleich und die übrigen 95 Leute werden auch in diesen Topf mit reingeworfen. Macht bitte eure Sicht ein bissle größer, schaut nicht nur auf die fünf einzelnen Personen sondern auch auf die 95 Leute.“
